Chemische Robustheit von PEM-Brennstoffzellen

Schadgaseinflüsse auf PEM-Brennstoffzellen-Stacks

Schadgase in der Umgebungsluft können die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer von PEM-Brennstoffzellen erheblich beeinflussen. Im MultiPEM-Projekt wurden typische Luftschadstoffe unter realitätsnahen Betriebsbedingungen untersucht, um deren Auswirkungen auf einzelne Zellen und den gesamten Stack zu bewerten sowie Strategien zur Regeneration und Robustheitssteigerung zu entwickeln.

Ergebnisse

Leistungen

Nutzen und Zusammenarbeit

 

Herausforderung: Chemische Einflussfaktoren im mobilen Einsatz

PEM-Brennstoffzellen-Stacks im mobilen Einsatz sind luftgeführten Schadgasen ausgesetzt, die in urbanen Verkehrsbereichen, in Tunneln, in industriell beeinflussten Regionen sowie allgemein in der Umgebungsluft auftreten können. Bereits geringe Konzentrationen können elektrochemische Prozesse beeinflussen und inhomogene Reaktionen innerhalb des Stacks hervorrufen.

Da Gasverteilung, lokale Temperaturen und Wasserhaushalt im Stack räumlich variieren, reagieren einzelne Zellen unterschiedlich stark auf Schadstoffe. Diese zellselektiven Effekte sind für Gesamtleistung, Betriebsstabilität und Lebensdauer von großer Bedeutung. Für robuste Brennstoffzellensysteme im Nutzfahrzeugbereich ist daher ein detailliertes Verständnis dieser chemischen Einflussfaktoren erforderlich.

Lösungsansatz: Systematische Analyse typischer Luftschadstoffe

Untersucht wurden Schadstoffe, die typischerweise in der Außenluft vorkommen und den Betrieb von PEM-Brennstoffzellen beeinflussen können. Die Dosierung wurde für SO₂, NO und NH₃ umgesetzt.

Der Versuchsansatz umfasste:

  • Einzelbelastungen mit unterschiedlichen Schadstoffkonzentrationen
  • Variation von Temperatur, Druck, Stöchiometrien und Stromdichte
  • Erfassung von Stackspannung und Einzelzellspannungen
  • Analyse von Impedanzspektren einzelner Zellen
  • Statistische Bewertung der Zellhomogenität mittels Variationskoeffizient und Z-Standardisierung

Dadurch konnten besonders empfindliche Zellbereiche identifiziert und die Auswirkungen verschiedener Betriebsbedingungen quantitativ bewertet werden.

Ergebnisse: 

Zellselektive Schadgaseinflüsse verstehen

Die Untersuchungen zeigen, dass Schadstoffeinflüsse stark von der räumlichen Lage der Zellen innerhalb des Stacks abhängen.

Besonders SO₂ führt zu deutlichen Abweichungen einzelner Zellspannungen gegenüber dem Mittelwert. NO und NH₃ zeigen ebenfalls messbare Einflüsse, diese fallen jedoch geringer aus.

Mit steigender Stromdichte nimmt der Variationskoeffizient zu. Hohe Lastpunkte verstärken somit die Unterschiede zwischen einzelnen Zellen. Eine erhöhte Kathodenstöchiometrie reduziert diese Inhomogenitäten und stellt eine wirksame Stellgröße zur Verringerung von Schadgaseinflüssen dar.

Zeitaufgelöste Untersuchungen zeigen außerdem, dass einzelne Zellen unterschiedlich schnell auf Schadgase reagieren. Während einige Zellen unmittelbar auf die Belastung reagieren, zeigen andere verzögerte Veränderungen. Nach Ende der Exposition regenerieren sich manche Zellen teilweise, andere verbleiben dauerhaft auf einem reduzierten Spannungsniveau.

Die Impedanzspektren weisen charakteristische Veränderungen auf, die auf modifizierte Adsorptionszustände und veränderte Reaktionspfade an der Katalysatoroberfläche hinweisen.

Chemische Robustheit von PEM-Brennstoffzellen
Hier werden die EIS‑Kurven ausgewählter Zellen aus einem Stack mit 30 Zellen unter verschiedenen NO‑Belastungs‑ und Regenerationszuständen gezeigt. Dabei zeigt sich, dass eine Kathodenluft mit 16 % relativer Feuchte deutlich weniger NO‑bedingte Beeinträchtigung verursacht als 32 % rF, da 32 % rF im Bereich besonders starker NO‑Adsorption liegt und dadurch größere Aktivierungsverluste hervorruft. Dies unterstreicht, wie entscheidend die richtigen Betriebsparameter in solchen Schadgasszenarien sind und wie wichtig ihre gezielte Optimierung für einen stabilen Stackbetrieb ist.1

Regeneration: Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Stackleistung

Zur Wiederherstellung der Leistung nach einer Schadgasbelastung wurde der Betrieb mit reiner Luft untersucht.

Dabei zeigte sich:

  • NO-Belastungen lassen sich vollständig regenerieren, insbesondere bei höheren Stromdichten.
  • NH₃-Belastungen zeigen ebenfalls Regenerationseffekte, benötigen jedoch hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Stromdichten.
  • SO₂ verursacht dauerhafte Veränderungen der elektrochemischen Eigenschaften, die sich durch Spülung mit reiner Luft nicht zurückbilden.

Ergänzend wird an regenerativen Verfahren gearbeitet, mit denen sich die Auswirkungen von SO₂ ohne Ausbau des Stacks oder des Gesamtsystems reduzieren lassen.

Unsere Leistungen

  • Untersuchung der Schadgasempfindlichkeit von PEM-Brennstoffzellen-Stacks
  • Schadgasversuche mit SO₂, NO und NH₃ unter realitätsnahen Betriebsbedingungen
  • Analyse von Zell- und Stackverhalten mittels Spannungs- und Impedanzmessungen
  • Bewertung von Betriebsparametern zur Erhöhung der chemischen Robustheit
  • Entwicklung und Bewertung von Regenerationsstrategien
  • Unterstützung bei der Auslegung robuster Brennstoffzellensysteme

 

Ergebnisse in die Anwendung bringen

Die im Projekt entwickelten Methoden und Erkenntnisse bilden die Grundlage für weiterführende Entwicklungs- und Industrieprojekte. Gemeinsam mit Unternehmen übertragen wir die Ergebnisse auf konkrete Anwendungen und unterstützen bei der Auslegung robuster Brennstoffzellensysteme unter realen Betriebsbedingungen.

Mögliche Schwerpunkte einer Zusammenarbeit sind:

  • Bewertung der Schadgasempfindlichkeit von Brennstoffzellen-Stacks und Komponenten
  • Entwicklung robuster Betriebsstrategien für unterschiedliche Einsatzszenarien
  • Analyse und Optimierung von Betriebsparametern zur Erhöhung der Lebensdauer
  • Entwicklung und Validierung von Regenerationsstrategien
  • Individuelle Versuchsprogramme und Schadgasuntersuchungen für kundenspezifische Fragestellungen

Unternehmen profitieren dabei von der Kombination aus experimenteller Infrastruktur, wissenschaftlicher Expertise und anwendungsnaher Entwicklung.