Innovative Diagnostik für PEM-Brennstoffzellen-Stacks

PEM-Brennstoffzellen in Nutzfahrzeugen müssen über mehrere tausend Betriebsstunden zuverlässig arbeiten. Im Projekt wurden dafür innovative Diagnoseverfahren für PEM-Brennstoffzellen entwickelt, die eine frühzeitige Erkennung von Defekten und Degradationsprozessen ermöglichen – sowohl im Betrieb als auch in der detaillierten Materialanalyse.

Ergebnisse

Leistungen

Nutzen

 

Herausforderung bei PEM-Brennstoffzellen-Stacks

In großen PEM-Brennstoffzellen-Stacks können inhomogene Stromdichten auftreten, die unter anderem durch variable Kontaktwiderstände, Pinholes oder mechanische Belastungen verursacht werden. Zudem führen Material- und Mikrostrukturdegradation an Katalysator, Membran, Gasdiffusionslage und Bipolarplatten zu Leistungsabfall, Effizienzverlust und vorzeitigem Ausfall.

Da Materialkosten rund 83 % der Stack-Kosten ausmachen, sind präzise Diagnosemethoden für Brennstoffzellen essenziell. Benötigt werden insbesondere nicht-invasive Verfahren, um Stromverteilung, Defekte und Materialschäden frühzeitig zu erkennen und deren Ursachen zu verstehen.

Magnetfeldanalyse PEM-Brennstoffzelle Stromdichteverteilung Stack Diagnostik
© Fraunhofer IMWS
Magnetfeldanalyse zur zerstörungsfreien Untersuchung der Stromdichteverteilung in PEM-Brennstoffzellen-Stacks

Lösungsansatz: Diagnostik für Brennstoffzellen

Der Ansatz kombiniert komplementäre Methoden aus zerstörungsfreier Analyse und detaillierter Materialdiagnostik für PEM-Brennstoffzellen-Systeme.

Magnetfeldanalyse (MFA)

Die Magnetfeldanalyse erfasst die charakteristischen „magnetischen Fingerabdrücke“ des Brennstoffzellen-Stacks mittels hochauflösender Magnetfeld-Sensorarrays – mobil, ATEX-geeignet oder in einer Robotik-Zelle. Dadurch sind Rückschlüsse auf die innere Stromdichteverteilung möglich.

Rasterelektronenmikroskopie PEM Brennstoffzelle Titan Vlies Mikrostruktur GDL
© Fraunhofer IMWS
Rasterelektronenmikroskopie-Aufnahme einer porösen Kontaktschicht aus Titan-Vlies in einer PEM-Brennstoffzelle

Mikrostruktur- und Materialdiagnostik

Ergänzend erfolgt eine Analyse über mehrere Längenskalen – von der Stack- bis zur Nanometerskala. Zum Einsatz kommen Verfahren wie Röntgen-CT, Querschnittspräparation mittels fokussierter Ionenstrahlentechnik, Rasterelektronenmikroskopie mit EDX-Analytik, Transmissionselektronenmikroskopie, AFM, ToF-SIMS und Wirbelstromprüfung (ECT).

Die chemische Bildgebung mittels ToF-SIMS, XPS und ICP-MS ermöglicht die Detektion und Analyse von Verunreinigungen sowie Degradationsprodukten in Brennstoffzellenmaterialien.

Ergebnisse der Brennstoffzellen-Diagnostik

Die Magnetfeldanalyse ermöglicht die zerstörungsfreie Lokalisierung von Stromdichte-Inhomogenitäten in PEM-Brennstoffzellen, die beispielsweise durch Kontaktprobleme, Austrocknung oder lokale Defekte verursacht werden. Einzelne Defekte mit Ausdehnungen im cm²-Bereich sind bei Stromdichten von etwa 1 A/cm² und Sensorauflösungen im µT-Bereich anhand von Verschiebungen der Magnetfeldverteilung nachweisbar.

Zeitaufgelöste Messungen an betriebenen Brennstoffzellen-Stacks zeigen zudem räumlich-zeitliche Inhomogenitäten während des Betriebs.

Die Mikrostrukturdiagnostik liefert nach der Demontage der Stacks detaillierte Erkenntnisse zu Degradations- und Defektursachen. Risse in Bipolarplatten bis zu einer Breite von etwa 7 µm werden über ECT-Flächenwiderstandskarten detektiert. Erhöhte Kontaktwiderstände an Ti-Fleece-GDLs lassen sich identifizieren und auf chemische Veränderungen an den Oberflächen zurückführen.

Die Pt-Partikelgrößenverteilung in Katalysatorschichten wird mittels Transmissionselektronenmikroskopie quantifiziert, um Ostwald-Reifung und Degradation zu bewerten. Die ToF-SIMS-Bildgebung zeigt die räumliche Verteilung von Elementen wie Na, K, Ca und Ti in MEA und GDL nach zyklischer Belastung und liefert damit wichtige Informationen zur Bewertung von Kontamination und Membrandegradation.

Diagnoseverfahren und Analyseansätze für Entwicklung und Qualitätssicherung

Die im Projekt entwickelten Diagnoseverfahren und Analyseansätze sind auf unterschiedliche Brennstoffzellen-Systeme übertragbar. Sie können sowohl in der Entwicklung als auch in der Qualitätssicherung und im Betrieb eingesetzt werden. 

Unsere Leistungen konkret  👉

 

Nutzen für Industrie und Anwendungen von Brennstoffzellen

Die Kombination der beiden Ansätze ermöglicht die Früherkennung und Lokalisierung von Defekten in PEM-Brennstoffzellen-Stacks ohne Demontage. Dadurch können Ausfallraten reduziert und die Lebensdauer von Brennstoffzellensystemen verlängert werden.

Die gewonnenen Daten aus Mikrostruktur- und chemischen Analysen unterstützen die gezielte Materialoptimierung bei Katalysator, Gasdiffusionslage und Bipolarplatte sowie fundierte Designentscheidungen und die Auswahl geeigneter Lieferanten.

Die entwickelten Prüfkonzepte sind übertragbar und eignen sich für den Einsatz in der Qualitätssicherung, bei End-of-Line-Tests sowie im Condition Monitoring im Feld – von der ersten Schadensauffälligkeit bis zur detaillierten Ursachenanalyse.

Mögliche Anwendungen

Die entwickelten Verfahren sind insbesondere relevant für:

  • Hersteller von Brennstoffzellen-Systemen
  • Zulieferer von Komponenten (z. B. MEA, GDL, Bipolarplatten)
  • Integratoren von Brennstoffzellensystemen
  • Forschungseinrichtungen im Bereich Wasserstofftechnologien

Typische Anwendungsfälle sind:

  • Analyse von Auffälligkeiten im Betrieb
  • Unterstützung bei der Entwicklung neuer Stack-Designs
  • Bewertung von Material- und Komponentenqualität
  • Schadensanalyse und Ursachenforschung